Heute ist Sonntag - das Wetter is ned so besonders. Ich habe mir vorgenommen meine HP  a bissele aufzuräumen - a wengerl rumzubasteln. 

Fotos eingestellt - alte Ordner gelöscht - - alles was mir irgendwie nötig erschien. Dabei stolperte ich über den  "Fortsetzung folgt" Spruch......

Na ja , inzwischen sind 4 Jahre seit meiner Diagnose und fast 4 Jahre seit meinem einschneidenden Erlebnis im St. Elisabethen Klinikum zu Straubing vergangen.  

1435 wurde dort Agnes Bernauer von ihrem Gatten ertränkt, ich habe aber den dortigen Aufenthalt überlebt. Ich lebe seither etwas anders - fiel mir anfänglich etwas schwer, aber mein etwas abstruser Humor hat mir in diesen vergangenen 4 Jahren gute Dienste geleistet. Nicht immer waren die Gedanken nach vorne gerichtet -  eine Krankenschwester meinte damals  "Sie werden ihre Tiefs erleben, Freunde werden sich im Laufe der Zeit verabschieden aber ich denke sie werden es schaffen"

Das habe ich.

Inzwischen sind eine Anschlussheilbehandlung sowie zwei REHA`s  absolviert worden.      Die Erstere in Bad Gögging bei der ich den Umgang mit meinem Sprachorgan erfolgreich trainierte. Ich quatsche seither laut und deutlich und immer wieder mal dazwischen.....  Manche sehnen sich vielleicht nach der "staaden"  Zeit zurück, derweil ich meine Raffel nicht immer halten kann. Die zweite REHA fand 2011 in Bad Reichenhall statt -  sehr zu empfehlen vom Angebot im Umland her. Die Klinik  wurde 1973 eröffnet und hat seit dem keine wirkliche Erneuerung erfahren, war aus technischer Sicht auf dem Stand von 73 stehen geblieben.

"Sehen sie hier einen Computer"  fragte mich die Ärztin als ich ihr die Bilder meines Halses auf CD gebrannt  überreichte - war wirklich keiner zu sehen   "wenn ich sowas benötige, muss ich den von zu Hause mitbringen"    meinte sie nur  "unser Chef hat seinen Schlepptop privat dabei"  - Bingo!!!

Das Essen war prima! -  das Personal absolut nett.....   

Zumindest seelisch ein Gesundbrunnen!

Ein etwas verstrahlter  QiGong Therapeut konnte allerdings mit mir nichts anfangen - beruhte auf Gegenseitigkeit. Er erzählte von Bären die Schweinebraten vertilgten - von einer Lippenbremse beim Ausatmen welche ich nicht treten konnte - mangels Luftaustritt zwischen Ober - und Unterlippe. Seine therapeutischen Versuche waren für mich nicht das Gelbe vom Ei - ich verlies diesen Kurs mangels asiatischer Vorstellungskraft. Wobei ich nicht  behaupten will es bringt nix -  bekanntlich versetzt der Glauben Berge!!!

Wenn`s  schee mocht.

Neck-Dissection  war angesagt - in allen Variationen - mal früh morgens - mal nachmittag - tat auch wirklich gut - in Bad Gögging hatten sie dies vernachlässigt.              Lympfdrainagen, Logopädengespräche, Massagen und Gradieren sollten meiner Einer wieder auf Vordermann bringen.

Ach ja, habe ich das schon erwähnt, bin wieder Vollzeit berufstätig seit Jahresbeginn, chauffiere meine Kundschaft im Landkreis Passau - allerdings nicht mehr im Schichtdienst  - von 6:30 bis 16:00 Uhr! Meine Firma gab mir dazu die Möglichkeit - was nicht immer so problemlos klappt.  Die Arge Krebsvorsorge sowie mein Arbeitgeber ermöglichten mir die Kur in den Sommerferien anzutreten, da es in dieser Zeit keine Personalengpässe gab - was bei der nächsten Reha Maßnahme für 2012 geplant - diesmal organisiert von der Knappschaft Bahn See,  so nicht klappte - davon aber später.

Also Bad Reichenhall - ein liebenswertes Städtchen zwischen Bergen am Fusse des 1614 m hohen Predigtstuhl - der mit Hilfe der Seil Bahn ohne Schweißausbruch erklommen werden konnte. Meiner Einer blieb aber auf dem Boden der Tatsachen und begnügte sich mit dem Blick gen Berg, besuchte die Saline und diverse Cafes von denen es eine ganze Menge gab. Eines hatte es mir sehr angetan - dort gab es selbst gemachten Kuchen mit natürlichen Zutaten - einfach hervorragend. Ich hatte nämlich die Erfahrung gemacht - Zusätze jeglicher Art - künstliche Stoffe in Soßen oder Speisen taten mir gar nie nicht gut. Sodbrennen der greisslichsten Art hatte dies zur Folge. Seither frage ich nach, was drinne is und wie Speisen zubereitet werden -  nehme vermehrt Bio Produkte zu mir.

Es tut gut!!

Tägliche Nutzung des Gradierwerkes wurde uns vom Doc nahegelegt  -  machte ich, manchmal sogar mehrmals. Am Wochenende sowie Abends nahm ich mir ein Buch mit um dort zu entspannen.

Therapeutisch brachte mir die Klinik Alpenland allerdings nicht so wirklich viel - ich betrachtete im Nachhinein den Aufenthalt dort als Erholungskurlaub - irgendwie waren die wahrscheinlich der Meinung, in Reichenhall gäbe es ein Überangebot an Praxen für alle Eventualitäten, da brauchen wir uns nur um gute Ernährung zu kümmern.....

Passt scho!!!

Nach vier Wochen wurde ich als arbeitsunfähig entlassen - was natürlich ein grober Schnitzer des Arztes war, aber mir zwei Tage mehr an Freizeit verschaffte - musste also erst am darauffolgenden Montag den Dienst antreten.

War mir fürchterlich peinlich!

Hauptsächlich war das erste Jahr ohne Kehlkopf von  "daran gewöhnen" geprägt, z.B. dass man mit vollem Mund nicht reden konnte - sollte man so auch nicht "MIT" tun -  desgleichen war es nicht von Erfolg gekrönt, ein Gespräch zu führen wenn die Hände Arbeit hatten.  Ein Finger sollte mindestens dafür zur Verfügung stehen. Ich musste mich daran gewöhnen, dass Menschen erschraken wenn ich ansetzte etwas zu sagen - vor Allem wenn ich diese von hinten ansprach - hatte im Ansatz Ähnlichkeit mit dem Brunftschrei eines Hirsches!  Andere Zeitgenossen sahen mich komisch an um sich gleich wieder abzuwenden - war sicher ansteckend!

Kinder gehen unbefangen damit um - im Freibad sprach mich der Eine oder Andere Knirps an um zu fragen "warum redest du so komisch"  - nach einer kindgerechten Erklärung wendeten die sich wieder dem Element Wasser zu und fanden es ganz normal das dieser Mensch sich beim Reden an den Hals fasste, einen Knopf drückte und wie  - Darth Vader redete!  Manche Mitmenschen meinten ich wäre Krank - nein, ich habe nur ein Loch im Hals - erwiderte ich daraufhin! Sicher muss ich mit Einschränkungen leben aber es ist trotzdem ein gutes Leben - ich kann fast alles machen, kann an Veranstaltungen teilnehmen, kann wandern, Rad fahren, spazieren - arbeiten!!!

Anfänglich trug ich noch eine Kanüle im Hals auf der ein Filter angebracht war - in  Reichenhall wurde mir empfohlen Kleber zu verwenden - wenn meine Haut das vertrage wäre es ein Mehr an Lebensqualität derweil das "Hundehalsband" wegfalle. Als weiteren Tipp wurde mir die FreeHand von Atos auf den Hals gedrückt - ein System womit ich auch bei vollen Händen auch meine Meinung äußern konnte. Funktioniert mit einem kleinen Rollo im Inneren und reagiert auf den Druck der Lunge der beim Sprechen entsteht.

Irgendwie erscheint mir das "an den Hals greifen" einfacher - ist sicher eine Trainingssache. Ich finde auch, dass die FreeHand von Fahl etwas unproblematischer in der Anwendung ist. Denke das ist Ansichtssache - ich drücke halt weiter!

Also meine Haut vertrug dieses Klebeteil gut - somit legte ich die weißen Bänder zur Kanülen-Befestigung ad Acta.

Es verging das Jahr Nr. Zwei "mit ohne"  ohne größere Probleme an Leib und Seele. Ich lernte neu Kehlkopflose kennen,  tauschte mit ihnen Erfahrungen aus - viel Zeit verbrachte ich in Krebsforen - manchmal zu viel!  Mir drängte sich der Verdacht auf, ein kleiner Teil von den Teilnehmern sind noch nicht krank genug  - so wie sie andere Forenteilnehmer bevormunden, oder tyrannisieren, alles besser wissen,  auf Kliniken sowie Ärzte in beleidigender Form schimpfen.

Was ändert das an der Tatsache??  

NIX - aber auch garnix!!!!

 

.....und. Fortsetzzung folgt - ok? Diesmal etwas schneller... i hope this!

 

 

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